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Stellungnahme der DMKG zur „chirurgischen Migräne-Therapie“ – 3.08.04

(Regensburg) Die so genannte „chirurgische Therapie“ der Migräne (d.h. Operation eines kleinen Muskels, des sog. Musculus corrugator an der Nasenwurzel) ist kein etabliertes Verfahren zur Behandlung der Migräne. „Es fehlen wissenschaftliche Studien, welche die Wirksamkeit dieser Methode zweifelsfrei belegen“, erklären die Experten der Deutschen Migräne und Kopfschmerzgesellschaft.

Die Annahme, dass die seit drei Jahren propagierte Operation wirksam ist, stützt sich bislang ausschließlich auf Untersuchungen mit einer kleinen Zahl von Patienten. Diese Patienten hatten vorher positiv auf eine Injektion mit Botulinumtoxin angesprochen, d.h. ihre Migräneattacken hatten sich gebessert.

Allerdings hat sich Botulinumtoxin in fast allen seriösen wissenschaftlichen Studien, bei denen die Substanz zur Behandlung der Migräne erprobt wurde, als nicht wirksam erwiesen. Darum ist fraglich, ob die erfolgreich operierten Patienten überhaupt an Migräne (nach den internationalen Kriterien) gelitten haben. Vor allem aber sind keine Langzeitdaten (also über 3 Monate Beobachtung hinaus) bekannt.

Ausgehend davon, was wir inzwischen über Ursachen und Entstehung der Migräne wissen, ist es nicht nachvollziehbar, warum diese chirurgische Methode Migräne „dauerhaft heilen“ sollte. Eine Migräne ist eine genetisch bedingte Erkrankung. Erbfaktoren sind der Grund dafür, dass das Nervensystem der betroffenen Menschen auf innere und äußere Reize besonders empfindlich reagiert. Aufgrund dieser Funktionsstörung können so genannte Triggerfaktoren – beispielsweise Hormonschwankungen, Wechsel im Schlaf-Wach-Rhythmus, Stress, bestimmte Nahrungsmittel – eine Schmerzattacke auslösen.

Es ist zwar prinzipiell vorstellbar, dass auch Einflüsse aus der Gesichtsmuskulatur als Triggerfaktoren Migräneattacken auslösen können. In diesem Falle könnte eine Beseitigung dieser Triggerfaktoren das Auftreten der Attacken beeinflussen. Doch an der grundsätzlichen genetischen Veranlagung der betroffenen Patienten ändert dies nichts. Patienten können zwar beispielsweise durch Veränderungen des Lebensstils Zahl und Intensität der Attacken beeinflussen. Ebenso stehen wirksame Therapien zur Attackenbehandlung und Vorbeugung zur Verfügung. Doch eine „Heilung“ von Migräne ist prinzipiell nicht möglich.

Aufgrund der bislang vorliegenden Informationen über die chirurgische Therapie ist es durchaus möglich, dass die beschriebene Wirkung auf einem so genannten Placeboeffekt beruht.
Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft warnt daher vor einer voreiligen Anwendung dieser Methode. Es sind weitere wissenschaftlich kontrollierte Studien notwendig, um die Wirksamkeit der Operation zu überprüfen. Die DMKG fordert daher, dass Behandlungen mit dieser Methode nur im Rahmen von wissenschaftlichen Studien, die durch eine Ethikkommission begutachtet worden sind, durchgeführt werden.

Außerdem sind Langzeitbeobachtungen nötig, bevor eine endgültige Empfehlung ausgesprochen werden kann. Nach wie vor gelten die Therapieempfehlungen der DMKG, die auf Grundlage wissenschaftlicher Studien die nachgewiesen wirksamen medikamentösen und nicht-medikamentösen Verfahren beschreiben.


Eine Liste mit Kopfschmerz-Experten in der jeweiligen Region
ist beim Generalsekretär und Pressesprecher der DMKG erhältlich.
PD Dr. Peter Kropp
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Institut für Medizinische Psychologie
Diesterwegstr. 10-12, 24113 Kiel
Telefon: + 49 – 4 31 – 6 59 46 33
Telefax: + 49 – 4 31 – 6 59 46 39
e-mail: [email protected]
Die Mitglieder-Liste und weitere Informationen über Kopfschmerz und Migräne auch unter: http://www.dmkg.de