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Medikamenten-Kopfschmerz

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Neue Therapie-Empfehlungen bei

Dauerkopfschmerzen durch Schmerz- und Migränemittel

(Elzach) Ein dumpf-drückender Dauerkopfschmerz kann die Folge sein, wenn Kopfschmerzpatienten zu häufig Schmerz- und/oder Migränemittel einnehmen. Die einzig sinnvolle Therapie ist eine ambulante oder stationäre Entwöhnung, die ca. zehn bis 14 Tage dauert. Um diese Kopfschmerzform zu vermeiden, sollten Kopfschmerzpatienten höchstens an 10 Tagen pro Monat und an höchstens drei Tagen hintereinander Schmerz- oder Migränemittel einnehmen.

Etwa fünf bis zehn Prozent aller Patienten, die von Kopfschmerz-Spezialisten behandelt werden, leiden unter einem Medikamenten-induzierten Kopfschmerz. Dieser dumpf-drückende Dauerschmerz unter der Schädeldecke entsteht, wenn Kopfschmerz-Patienten ihre Beschwerden zu oft mit Medikamenten bekämpfen.

Besonders gefährdet sind

  • Patientinnen oder Patienten, die bereits als Kinder unter Kopfschmerzen litten und darum frühzeitig Schmerz- oder Migränemittel eingenommen haben.
  • Menschen mit einem hohen Pflichtbewußtsein und Streßpotential, die dazu neigen,Medikamente zur Akutbehandlung bereits vorbeugend zu schlucken, um “funktionsfähig” zu bleiben
  • Patienten mit einem sogenannten Kombinationskopfschmerz, die gleichzeitig unter Migräne und Spannungskopfschmerzen leiden

Die Betroffenen wachen bereits morgens mit den dumpf-drückenden Kopfschmerzen auf, die auch den ganzen Tag anhalten und bei körperlicher Belastung zunehmen. Begleiterscheinungen wie Übelkeit und Erbrechen sind jedoch seltener als bei einer Migräne.

“Man muß davon ausgehen”, schreibt eine Expertengruppe der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG), “daß potentiell alle Schmerz- und Migräne-mittel einen Medikamenten-induzierten Kopfschmerz verursachen können, wenn sie häufig oder täglich eingenommen werden.” Besonders problematisch, so das Team um Professor Gunther Haag von der Elztal Klinik in Elzach, seien analgetische Mischpräparate, Mutterkornalkaloide und Migränemittel, die Beruhigungsmittel oder Codein enthalten. Hingegen führen Monosubstanzen wie Acetylsalicylsäure, Paracetamol, Ibuprofen und Naproxen seltener zu Dauerkopfschmerz.

Der Dauerkopfschmerz ist nicht die einzige Folge des Fehlgebrauchs: Es kommt auch zu Durchblutungsstörungen, dem sogenannten Ergotismus (bei der Einnahme von Mutterkornalkaloiden), zu Nierenschäden sowie Magen- und Darm-geschwüren. Ebenso sterben die Betroffenen häufiger als andere Menschen an Tumoren der Harnwege. Viele Patienten sind auch depressiv, was sich häufig nach dem Absetzen der Medikamente bessert.

Medikamenten-Entwöhnung ist der einzige Ausweg

Eine ambulante Entwöhnung-Therapie ist möglich, wenn die Patienten

  • nur Schmerz- oder Migränemittel geschluckt haben
  • motiviert sind und durch ihre Familie oder Freunde unterstützt werden

Eine stationäre Entwöhnung ist dann angezeigt, wenn

  • der Medikamenten-induzierte Kopfschmerz seit vielen Jahren besteht
  • die Patienten zusätzliche Medikamente, z.B. Beruhigungs- und Schlafmittel oder Codein-haltige Migräne-Mittel eingenommen haben
  • die Patienten bereits erfolglose Selbstentzüge hinter sich haben, den ambulanten Entzug fürchten oder keine Unterstützung in ihrer Umgebung finden
  • bei ausgeprägter Begleit-Depression

Entwöhnungsbeschwerden werden gelindert

Bei der Therapie werden die Schmerz- und Migränemittel abrupt abgesetzt, Schlaf- und Beruhigungsmittel langsam reduziert. Da die Kopfschmerzen durch die Ent-wöhnung vorübergehend stärker werden, können diese bei Bedarf durch andere Medikamente gelindert werden, die der Patient zuvor nicht eingenommen hat. Durch eine begleitende Verhaltenstherapie lernen die Betroffenen Methoden zur Streßbewältigung und Entspannung. Nach dem Entzug werden die bestehenden Migräne-Attacken oder Spannungskopfschmerzen entsprechend den Therapie-Empfehlungen der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft mit medikamentösen und nicht-medikamentösen Strategien weiterbehandelt.

Dem Medikamenten-induzierten Kopfschmerz vorbeugen

Um einen Medikamenten-induzierten Kopfschmerz zu vermeiden, sollten Kopfschmerzpatienten Schmerz- und/oder Migränemittel höchstens an zehn Tagen pro Monat und an höchstens drei Tagen hintereinander einnehmen.

Quelle: G. Haag, H. Baar, K.H. Grotemeyer, V. Pfaffenrath, M.-J. Ribbat, H.-C. Diener: Prophylaxe und Therapie des medikamenteninduzierten Dauerkopfschmerzes; Der Schmerz (1999). 13:52-57


Eine Liste mit Kopfschmerz-Experten in der jeweiligen Region

ist beim Generalsekretär und Pressesprecher der DMKG erhältlich.

Prof. Dr. Gunther Haag

Elztal Klinik

Pfauenstr. 6, 79215 Elzach-Oberprechtal

Tel.: (07682) 805-333, Fax: (07682) 805-135

Die Mitglieder-Liste und weitere Informationen über Kopfschmerz und Migräne auch unter: http://www.dmkg.de