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Alarmsignal Kopfschmerz

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Alarmsignal Kopfschmerz

Kopfschmerzen quälen in Deutschland Millionen von Menschen. Doch nur in den seltensten Fällen sind sie das Symptom einer gefährlichen Erkrankung. Wie man etwa Migräne oder Spannungskopfschmerzen von dem Alarmsignal Kopfschmerz unterscheiden kann, darüber diskutieren Experten während des Deutschen Schmerzkongresses in Düsseldorf.

Wer kennt es nicht, das dumpfe Hämmern und Dröhnen unter der Schädeldecke oder das Gefühl mit seinem Kopf in einem Schraubstock zu stecken? Vor allem wenn Patienten immer wieder oder ganz plötzlich unter starken Kopfschmerzen leiden, fragen sich viele, ob ihre Beschwerden durch eine gefährliche Erkrankung verursacht werden. “Bei 90 Prozent aller Kopfschmerzen handelt es sich um Migräne oder Spannungskopfschmerzen,” sagt Dr. Stefanie Förderreuther, Neurologin am Klinikum Grosshadern der Ludwig Maximillians-Universität in München. Mediziner bezeichnen diese Kopfschmerzarten als “primäre Kopfschmerzen”. Das heißt: Trotz organischer Ursachen und einer zum Teil erheblichen Einschränkung der Lebensqualität der Betroffenen sind die Beschwerden – medizinisch gesehen – harmlos. “Nur circa acht Prozent aller Patienten leiden an potentiell gefährlichen, symptomatischen Kopfschmerzen”, betont die Ärztin. Diese sogenannten sekundären oder symptomatischen Kopfschmerzen deuten auf eine ernsthafte Erkrankung hin, die jedoch keineswegs nur das Gehirn betreffen muß und auch nicht immer lebensbedrohend ist.

Zum Arzt, wenn Kopfschmerzen schlagartig und ungewöhnlich stark einsetzen

Förderreuther rät generell: Patienten sollten umgehend einen Arzt aufsuchen, wenn Kopfschmerzen schlagartig und mit einer Intensität auftreten, die dem Betroffenen so nicht bekannt ist.

Kommen Nackensteife und Fieber hinzu, kann es sich um eine Hirnhautentzündung (Meningitis) handeln. Am häufigsten sind eher milde verlaufende virale Hirnhautentzündungen die nur mit Schmerzmitteln symptomatisch behandelt werden müssen. Gefährlich sind Hirnhautentzündungen, die von Bakterien ausgelöst werden. Hier entwickeln sich massive Kopfschmerzen innerhalb weniger Stunden. Betroffen sind vorwiegend Kinder, aber auch Erwachsene mit geschwächtem Abwehrsystem oder Begleiterkrankungen: eitrige Entzündungen der Nasennebenhöhlen oder der Ohren können sich bis zu den Hirnhäuten ausdehnen. Mit Antibiotika lassen sich diese Infektionen relativ gut behandeln. Gegen spezielle Erreger gibt es auch Impfstoffe. “Bleibt eine Meningitis unbehandelt, kommt es zur lebensbedrohlichen Schwellung des Gehirns, epileptischen Anfällen, Blutvergiftung bis hin zum Kreislaufversagen und Tod”, warnt die Münchner Neurologin.

Notfall Gehirnblutung

Starkes Kopfweh mit gleichzeitigen neurologischen Ausfällen, wie Lähmungen, Sprechstörungen, epileptischen Anfällen oder Bewußtseinsstörungen kann auch auf eine Gehirnblutung hindeuten, weil ein Blutgefäß im Kopf geplatzt ist. Betroffen sind häufig Menschen mit einer angeborenen Gefäßmißbildungen im Gehirn. Ihre Blutadern sind an manchen Stellen ausgesackt, die Gefäßwände dünn und brüchig. Kommen andere Risikofaktoren wie Bluthochdruck dazu, besteht die Gefahr, daß sie reißen. “Hirnblutungen als Resultat von Gefäßmißbildungen (Subarachoidalblutung) führen entweder unmittelbar zum Tod oder zu einem schlagartigen, ungemein heftigen Vernichtungskopfschmerz,” erklärt Förderreuther. Schätzungen zufolge sterben 15 bis 20 Prozent der Patienten bevor sie eine Klinik erreichen. “Etwa 60 Prozent der Patienten überleben, allerdings ist eine sofortige Behandlung erforderlich, um weitere Blutungen zu verhindern.”

Kopfschmerzen können auch auf Augenerkrankungen, wie den grünem Star hindeuten. Sie sie mit einer Rötung und Verhärtung der Augapfels einher.

Dagegen sind degenerative Veränderungen der Halswirbelsäule nur selten Verursacher gefährlicher Kopfschmerzen. Dies gilt auch für Gehirntumoren. Bösartige Wucherungen im Kopf sind nicht nur selten, sondern verursachen auch erst dann Kopfschmerzen, wenn sie eine bestimmte Größe erreicht haben. Daher sind nur bei der Hälfte der Patienten Kopfschmerzen das erste Symptom eines Hirntumors.

Lang anhaltende und wiederkehrende Kopfschmerzen abklären lassen

Die Neurologin rät Patienten darüber hinaus, auch bei lang anhaltenden oder immer wieder auftretenden Kopfschmerzen die Ursache durch einen Experten abklären zu lassen. Da Kopfschmerzen nicht primär vom Gehirngewebe ausgehen, sind ihre Auslöser mitunter jedoch schwer zu lokalisieren. Handelt es sich bei den Beschwerden nicht um eine der klassischen Kopfschmerzformen, können darum genaue Untersuchungen – etwa mit bildgebenden Verfahren und Laboranalysen – erforderlich sein. Förderreuther: “Denn eine regelmäßige Einahme von Schmerzmitteln ohne ärztliche Verordnung ist keine Lösung.”

Rückfragen an:

Dr. med. Stefanie Förderreuther

Neurologische Klinik

Klinikum Großhadern

Marchioninistraße 15

81377 München

Tel.: 089-7095-3905

Fax: 089-7095-3677


Eine Liste mit Kopfschmerz-Experten in der jeweiligen Region

ist beim Generalsekretär und Pressesprecher der DMKG erhältlich.

Prof. Dr. Gunther Haag

Elztal Klinik

Pfauenstr. 6, 79215 Elzach-Oberprechtal

Tel.: (07682) 805-333, Fax: (07682) 805-135

Die Mitglieder-Liste und weitere Informationen über Kopfschmerz und Migräne auch unter: http://www.dmkg.de