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Genforschung und Migräne

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Genforscher eröffnen Optionen für neue Therapiekonzepte gegen Migräne

(Elzach/Münster) In den letzten Jahren haben Wissenschaftler bei seltenen Formen von erblicher Migräne mehrere Gene entdeckt, die bei den Mitgliedern betroffener Familien verändert sind. Inzwischen mehren sich die Hinweise, daß diese Gene den Einstrom von Kalzium und Kalium in Nervenzellen regulieren. Nach Ansicht von Experten der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) dürften diese Erkenntnisse langfristig zu neuen Therapiekonzepten führen.

Schon vor einigen Jahren entdeckte eine Forschergruppe um Professor Michael Ferrari von der niederländischen Universität in Leiden, daß ein bestimmtes Gen auf Chromosom 19 bei einer seltenen, aber schweren Formen erblicher Migräne bei der Hälfte der Betroffenen verändert ist. “Dies war”, sagt Dr. Stefan Evers von der neurologischen Universitätsklinik in Münster, “eines der wichtigsten Ergebnisse in der Migräneforschung der letzten Jahre.”

Inzwischen haben französische und amerikanische Wissenschaftler in weiteren Familien mit erblicher Migräne zusätzliche Genveränderungen entdeckt (Neurology 49, 1997 und Ann. Neurology 52, 1997). Wie in der aktuellen Ausgabe der Kopfschmerz-News der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) berichtet wird, sind alle betroffenen Gene auf Chromosom 1 und 19 an der Regulation des Einstroms von Kalzium und Kalium in Nervenzellen beteiligt: In ihnen ist die genetische “Bauanleitung” für sogenannte Ionenkanäle verschlüsselt.

“Derartige Störungen an den Ionenkanälen”, weiß Stefan Evers, “spielen auch bei anderen neurologischen Erkrankungen, etwa erblichen Muskelerkrankungen, eine Rolle, die wie die Migräne attackenartig verlaufen.” Darum vermuten die Experten, daß solche Störungen an den Ionenkanälen weniger für die Erkrankungen selbst als vielmehr für deren attackenförmigen Verlauf bedeutsam sind.

Derartige Erkenntnisse, die zunächst nur eine Minderheit der Migränepatienten betreffen, sind gleichwohl auch für alle anderen Migränepatienten langfrstig bedeutsam: “Unsere Überlegungen gehen dahin”, erläutert Stefan Evers, “daß nun in absehbarer Zeit neue Medikamente entwickelt werden können, die gezielt diese Ionenkanäle beeinflussen und dadurch die Häufigkeit der Migräneattacken zumindest reduzieren.”

Medikamente, die den Kalzium-Einstrom in Zellen hemmen, sogenannte Kalzium-Antagonisten, gibt es bereits seit vielen Jahren. Sie werden zur Behandlung von Herz-Kreislauferkrankungen eingesetzt. Allerdings können diese Medikamente – wie klinische Studien belegen – Migräneanfälle nicht verhindern. Dies könnte unter anderem damit zusammenhängen, daß diese Substanzen die Blut-Hirnschranke nicht passieren können. Wenn es jedoch gelänge, Substanzen zu entwickeln, die gezielt nur die Ionenkanäle im Gehirn beeinflussen, könnte dies nach Meinung der DMKG-Experten neue Möglichkeiten für die Migräneprophylaxe eröffnen.


Eine Liste mit Kopfschmerz-Experten in der jeweiligen Region

ist beim Generalsekretär und Pressesprecher der DMKG erhältlich.

Prof. Dr. Gunther Haag

Elztal Klinik

Pfauenstr. 6, 79215 Elzach-Oberprechtal

Tel.: (07682) 805-333, Fax: (07682) 805-135

Die Mitglieder-Liste und weitere Informationen über Kopfschmerz und Migräne auch unter: http://www.dmkg.de