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Migräne wird bei Kindern meistens nicht erkannt

 

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Migräne wird bei Kindern meistens nicht erkannt

Etwa jedes zwölfte Kind leidet an Migräne. Doch nur bei jedem fünften kleinen Patienten wird die richtige Diagnose gestellt. Das belegt eine neue amerikanische Untersuchung, über die in den aktuellen Kopfschmerz-News der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) berichtet wird. Ein wesentlicher Grund: Kinder haben mitunter andere Beschwerden als Erwachsene. Darum raten die Experten der DMKG, daß Eltern und Ärzte auch an Migräne denken sollten, wenn Kindern immer wieder der Kopf weh tut und sie unter Übelkeit, Bauchweh und Erbrechen leiden.

Wissenschaftler von der Universität in Cleveland (USA) haben mit Hilfe einer großen Fragebogen-Aktion bei Schülern neue Daten über kindliche Kopfschmerzen zusammengetragen. Bei 8,6 Prozent diagnostizierten die Spezialisten eine Migräne. Die meisten der betroffenen Kinder haben durchschnittlich drei Attacken pro Monat, was sie im Alltag deutlich beeinträchtigt: Fast die Hälfte muß das Bett hüten. Doch nur bei jedem fünften kleinen Migräniker war die richtige Diagnose zum Zeitpunkt der Befragung bereits gestellt worden. Daraus folgern die amerikanischen Wissenschaftler, daß eine Migräne im Kindesalter häufig nicht erkannt wird.

“Dies dürfte in Deutschland kaum anders sein”, vermutet Astrid Gendolla von der Neurologischen Klinik der Universität Essen. Denn Kinder haben oftmals andere Symptome als Erwachsene (siehe auch Kasten Seite 2). “Typisch”, erklärt Gendolla, “sind periodisch auftretende Beschwerden wie Übelkeit, Bauchschmerzen und Erbrechen, die in seltenen Fällen auch alleine, also ohne Kopfschmerzen, auftreten können.” Mitunter wird in solchen Fällen der Blinddarm entfernt, weil Eltern und Ärzte diesen für die Ursache halten. Auch hinter einem heftigen Drehschwindel mit Erbrechen kann sich bei Kindern eine Migräne verbergen.

Wenn Kinder über Kopfweh klagen, können sie häufig den Schmerzort nicht genau angeben oder den Schmerz nicht beschreiben, was die Diagnostik zusätzlich erschwert. “Wenn Kopfschmerzen oder die typischen Beschwerden bei Kindern regelmäßig zwei bis drei Mal pro Monat auftreten, sollten Eltern und Ärzte darum immer auch an eine kindliche Migräne denken”, rät Astrid Gendolla. Denn nur wenn eine exakte Diagnose gestellt wird, kann die Pein im Kopf gelindert werden.

Spezielle Entspannungstechniken und Biofeedback-Methoden, die auch Kinder schon lernen können, sind in der Lage, die Häufigkeit und Schwere der Attacken zu reduzieren. Hat das Kind Beschwerden, helfen vor allem Ruhe und ein kleines Schläfchen im abgedunkelten Zimmer.

In schweren Fällen können auch Medikamente zur Migräneprophylaxe eingesetzt werden. Dabei handelt es sich jedoch nicht um Schmerzmittel. Allerdings sollten solche Arzneimittel ausschließlich von Kopfschmerz-Spezialisten nach einer gründlichen Diagnostik verordnet werden. Neben einer körperlichen Untersuchung und ausführlichen Gesprächen mit Kind und Eltern gehört dazu vor allem die Auswertung eines Kopfschmerz-Tagebuches.

Migräne-Symptome bei Erwachsenen Migräne-Symptome bei Kindern
• der Schmerz ist zumeist auf eine Kopfseite beschränkt; die Seite kann wechseln • Der Schmerz ist zumeist nicht nur auf eine Kopfseite beschränkt, sondern betrifft beide Seiten und die Stirn
• der Schmerz ist pulsierend oder pochend
• der Schmerz wird bei körperlicher Aktivität stärker
• eine unbehandelten Attacke dauert zwischen 4 und 72 Stunden • Die Attacken sind kürzer als bei Erwachsenen, dauern aber mindestens eine Stunde
• Begleitsymptome sind zumeist Übelkeit, Erbrechen, Überempfindlichkeit gegen Licht und Lärm • Typisch sind auch Übelkeit, Bauchschmerzen und Erbrechen. Diese Symptome können in seltenen Fällen auch ohne Kopfschmerzen auftreten. Darum müssen andere Ursachen ausgeschlossen werden
• Bei manchen Kindern äußert sich die Migräne in Form von Schwindelattacken mit Übelkeit und Erbrechen
• bei manchen Patienten gehen neuro-

logische Ausfallerscheinungen (Aura) einer Attacke voraus. Typisch sind Seh- oder Sprachstörungen, sowie Sensibilitäts-störungen

• Auch bei Kindern kann es vor einer Attacke zu neurologischen Ausfällen kommen. Oft berichten sie von “phantastischen Bildern” (Alice im Wunderland-Syndrom)

Eine Liste mit Kopfschmerz-Experten in der jeweiligen Region

ist beim Generalsekretär und Pressesprecher der DMKG erhältlich.

Prof. Dr. Gunther Haag

Elztal Klinik

Pfauenstr. 6, 79215 Elzach-Oberprechtal

Tel.: (07682) 805-333, Fax: (07682) 805-135

Die Mitglieder-Liste und weitere Informationen über Kopfschmerz und Migräne auch unter: http://www.dmkg.de