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Triptane im Kindes- und Jugendalter

 

online gestellt: Mai 2003

Therapieempfehlungen der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft

Triptane im Kindes- und Jugendalter

PD Dr. med Stefan Evers

Die sog. Triptane (selektive Serotonin-1B/D-Agonisten) sind für die Behandlung akuter Migräneattacken im Alter zwischen 18 und 65 Jahren zugelassen. Eine Zulassung für unter 18-jährige besteht nicht, sie ist zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Textes (April 2003) für intranasales Sumatriptan jedoch beantragt.

Nach der wissenschaftliche Datenlage ist eine pauschale Befürwortung oder Ablehnung der Triptane im Kindes- und Jugendalter nicht gerechtfertigt. Klinische Studien im Kindesalter zeichnen sich durch eine höhere Placeborate als im Erwachsenenalter aus. Es ist daher für Substanzen bei Indikationen, die ohnehin eine hohe Placeborate aufweisen (wie eben die Migräne), schwierig, eine Überlegenheit gegenüber Placebo aufzuzeigen. Die nachfolgenden Ausführungen sollen eine Argumentationshilfe dafür bieten, in bestimmtem Fällen Triptane auch im Kindes- und Jugendalter einzusetzen.

Intranasales Sumatriptan in einer Dosis zwischen 10 und 20 mg hat in zwei doppelblinden, randomisierten, placebokontrollierten Studien seine Wirksamkeit zur Behandlung von Migräneattacken bei Kindern und Jugendlichen zwischen 6 und 18 Jahren gezeigt (Überall und Wenzel 1999; Winner et al. 2000). Für subkutanes Sumatriptan liegen Beobachtungen aus offenen Studien vor, die ebenfalls eine Wirksamkeit nahelegen (MacDonald 1994; Linder 1996). Orales Sumatriptan war in mehreren doppelblinden, randomisierten, placebokontrollierten Studien nicht wirksamer als Placebo (Korsgard 1995; Hämäläinen et al. 1997).

Für orales Zomitriptan konnten Post-hoc-Analysen von zwei doppelblinden, randomisierten, placebokontrollierten Studien in einer Dosis zwischen 2,5 und 5 mg ebenfalls eine signifikante Wirksamkeit bei Jugendlichen ab 12 Jahren zeigen (Solomon et al. 1997; Mauskop et al. 1999).

Orales Rizatriptan in einer Dosis von 5 mg war in einer großen doppelblinden, randomisierten, placebokontrollierten Studie bei Jugendlichen ab 12 Jahren nicht wirksam in Bezug auf die Schmerzreduzierung; in einigen Nebenkriterien wie funktionelle Beeinträchtigung durch Kopfschmerzen und Übelkeit war die Substanz jedoch Placebo überlegen (Winner et al. 2002).

Für Naratriptan, Almotriptan, Eletriptan und Frovatriptan liegen keine publizierten Daten über den Einsatz bei Kindern und Jugendlichen vor.

In sämtlichen Studien war die Art und die Häufigkeit der Nebenwirkungen ähnlich oder weniger ausgeprägt im Vergleich zu der bei Erwachsenenstudien. Bislang sind keine ernsten Zwischenfälle bei der Anwendung von Triptanen im Kindes- und Jugendalter bekannt geworden. Die Pharmakokinetik für Zolmitriptan ist ebenfalls im Jugendalter untersucht worden, hier zeigten sich keine Unterschiede zu Erwachsenen (Dixon et al. 1999).

Auf Grundlage dieser Daten hat die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft in ihrer Leitlinie zur Therapie idiopathischer Kopfschmerzen im Kindesalter folgende Empfehlungen ausgesprochen (Evers et al. 2001):

Nasales Sumatriptan (10-20 mg) und orales Zolmitriptan (2,5 mg) sind Substanzen der zweiten Wahl bei akuten Migräneattacken von Kindern und Jugendlichen, wenn orales Ibuprofen (10 mg/kg Körpergewicht) und orales Paracetamol (15 mg/kg Körpergewicht) nicht ausreichend wirksam sind. Subkutanes Sumatriptan (£ 6 mg) ist bei schweren Attacken eine Ausweichsubstanz, deren Anwendung nur durch einen erfahrenen Kopfschmerzexperten erfolgen sollte.

Literatur:

  • Dixon R, Engleman K, Kemp J, Ruckle JL. A comparison of the pharmacokinetics and tolerability of the novel antimigraine compound zolmitriptan in adolescents and adults. J Child Adolesc Psychopharmacol 1999; 9: 35-42
  • Evers S, Pothmann R, Überall M, Naumann E, Gerber WD. Therapie idiopathischer Kopfschmerzen im Kindesalter. Nervenheilkunde 2001; 20: 306-315
  • Hämäläinen ML, Hoppu K, Santavuori P. Sumatriptan for migraine attacks in children: a randomized, placebo-controlled study. Neurology 1997; 48: 1100-1103
  • Korsgard AG. The tolerabilzy, dsaefty and wefficacy of oral sumatriptan 50 mg and 100 mg for the acute treatment of migraine in adolescnets. Cephalalgia 1995; 15 (Suppl 16): 99
  • Linder SL. Subcutaneous sumatriptan in the clinical setting: the first 50 consecutive patients with acute migraine in a pediatric neurology office practice. Headache 1996; 36: 419-422
  • MacDonald JT. Treatment of juvenile migraine with subcutaneous sumatriptan. Headache 1994; 34: 581-582
  • Mauskop A, Farkkila M, Hering-Hanit R, Rapoport A, Warner J. Zolmitriptan is effective for the treatment of persistent and recurrent migraine headache. Curr Med Res Opin 1999; 15: 282-289
  • Solomon GD, Cady RK, Klapper JA, Earl NL, saper JR, Ramadan NM. Clinical efficacy and tolerability of 2.5 mg zolmitriptan für the acute treatment of migraine. The 042 Clinical Trial Study Group. Neurology 1997; 49: 1219-1225
  • Überall M, Wenzel D. Intranasal sumatriptan for the acute treatment of migraine in children. Neurology 1999; 52: 1507-1510
  • Winner P, Rothner AD, Saper J, Nett R, Asgharnejad M, Laurenza A, Austin R, Peykamian M. A randomized, double-blind, placebo-controlled study of sumatriptan nasal spray in the treatment of acute migraine in adolescents. Pediatrics 2000; 106: 989-997
  • Winner P, Lewis D, Visser WH, Jiang K, Ahrens S, Evans JK, Rizatriptan Adolescent Study Group. Rizatriptan 5 mg for the acute treatment of migraine in adolescents: a randomized, double-blind, placebo-controlled study. Headache 2002; 42: 49-55

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