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6. Medikamenteninduzierter Kopfschmerz


**** Toth C. Medications and substances as a cause of headache: a systemic review of the literature. Clin Neuropharmacol 2003;26:122-

Zusammenfassung: Es gibt in der Zwischenzeit eine Vielzahl von Publikationen zum medikamenteninduzierten Dauerkopfschmerz bei Patienten mit vorbestehender Migräne oder Spannungskopfschmerz. Die hier publizierte Übersichtsarbeit enthält sehr viele Daten zu anderen Medikamenten, die entweder bei der erstmaligen Einnahme oder bei längerem Gebrauch zu Kopfschmerzen führen können. Bei einigen dieser Substanzen wie Ibuprofen kann es sogar zu einer aseptischen Meningitis mit dem Leitsymptom Kopfschmerz kommen. Zu den weniger bekannten Substanzen, die Kopfschmerzen auslösen können, gehören die Antikonvulsiva Carbamazepin und Gabapentin, eine Vielzahl von Antibiotika, Antihistaminika, L-Dopa, Bromocriptin und Pramipexol und die H2-Blocker Cimetidin und Ranitidin sowie die Protonenpumpenhemmer Omeprazol und Lansoprazol. Bei den Immunmodulatoren werden häufig Kopfschmerzen bei der intravenösen Gabe von Immunoglobulinen und der Gabe von Interferon beobachtet. Auch die Immunsuppressiva Cyclosporin, Tacrolimus und OKT3 führen häufig zu Kopfschmerzen. Sidenafil wie auch die neueren Potenzmittel lösen Kopfschmerzen aus. Gelegentlich muß auch nach Nahrungszusätzen und Vitaminpräparaten gefragt werden, da hohe Dosen von Vitamin A ebenfalls zu Kopfschmerzen führen können.

Kommentar: Diese systematische Literaturrecherche wird allen Lesern empfohlen, die sich mit dem Problem der medikamenteninduzierten Kopfschmerzen beschäftigen. Es handelt sich hier um die aktuellste und umfassenste Übersicht zu dieser Thematik. (HCD)



*** Krymchantowski AV, Moreira PF. Out-patient detoxification in chronic migraine: comparison of strategies. Cephalalgia 2003; 23: 982-993.

Zusammenfassung: Die Autoren führten eine vergleichende Untersuchung von drei Therapiestrategien beim ambulanten Entzug von Patie nten mit medikamenteninduzie rtem Kopfschmerz durch. 150 Patienten wurden den drei Therapiearmen zugeteilt: Patie nten der ersten Gruppe erhie lten Cortison p.o. für 6 Tage (60 mg für 2 Tage, 40 mg für 2 Tage und 20 mg für 2 Tage), Patie nten der zweiten Gruppe erhie lten Naratriptan 2.5 mg 2x/die für 6 Tage, und Patienten der dritten Gruppe erhielten keine medikamentöse Therapie. Bei allen Patienten wurde die missbrauchte Medikation abrupt abgesetzt und eine Prophylaxe mit Atenolol, Nortriptylin oder Flunarizin eingeleitet. Der Beobachtungszeitraum wurde für 5 Wochen festgelegt. Als Zielvariablen wurden die Kopfschmerzfrequenz in ersten 6 Tagen des Entzuges und wöchentlich für gesamtes Zeitgesamtes Zeitraum, sowie die Häufigkeit der Entzugssymptome in den ersten 6 Tagen definiert. Es zeigten sich keine Unterschiede hinsichtlich der Kopfschmerzfrequenz sowohl für die erste Entzugsphase als auch für die gesamten 5 Wochen. Sowohl Cortison als auch Naratriptan reduzierten jedoch die Entzugssymptomatik wie Schwindel, Überlkeit, Erbrechen, Tremor und Schlafstörungen.

Kommentar: Dies ist eine sehr wichtige Studie. Krymchantowski und Mitarbeiter veröffentlichten bereits im Jahre 2000 die erste Arbeit zur Wirksamkeit von Cortison beim Patienten mit medikamenteninduzierten Kopfschmerzen. Der Ansatz ist sehr vielversprechend. Nicht sinnvoll ist jedoch die Strategie mit Naratriptan. Es gibt unseres Erachtens keine Rationale einem Patienten mit medikamenteninduziertem Kopfschmerz weiter ein Triptan anzubieten. Natürlich reduziert man damit kurzfristig den Kopfschmerz, unterstützt aber iatrogen den Circulus Vitiosus des Medikamentenmissbrauches. In dieser Studie sind mehrere Aspekte zu bemängeln. Es fehlt unverständlicherweise ein Plazeboarm, was sicherlich die Aussagekraft der Ergebnisse reduziert. Durch das Einführen das unnötigen Naratripranarmes wurde ferner die statistische Power verloren. Die Wirksamkeit von Cortison in der Entzugsphase soll in einer dop-pel-blinden, randomisierten und plazebokontrollierte Studie untersucht werden (ZK).



*Moretti R, Torre P, Bava A, Antonello RM. Medication overuse headache: citalopram associated with analgesics withdrawal as possible treatment J Headache Pain 2003; 4: 152-155

Zusammenfassung: Die Autoren berichten über 6 Patienten mit medikamenteninduziertem Kopfschmerz, die zur medikamentösen Entzugsunterstützung sowie zur Prophylaxe des primären Kopfschmerzes Citalopram in einer Dosis von 30 mg/die erhielten. Bei allen 6 Patienten lag als primärer Kopfschmerz eine Migräne vor. Vier Patienten zeigten einen Triptan plus NSAR Missbrauch, 2 weiteren Patie nten einen NSAR plus Barbituratmissbrauch. Alle Patienten hatten einen täglichen Kopfschmerz sowie eine Depression und eine Angststörung.

Die Patienten wurden stationär entzogen und nach einem Jahr nachuntersucht. Bei allen Patienten zeigte sich eine Reduktion der Kopfschmerzfrequenz, aber auch eine Besserung der Depression.

Kommentar: Diese Arbeit sollte nicht als eine Studie sondern viel mehr als eine Fallserienbeschreibung betrachtet werden. Der Ansatz ist sicher interessant. Obwohl in kontrollierten Studien keine Wirksamkeit für SSRI generell bei chronischen Kopfschmerzen nachgewiesen werden konnte, wäre die Subpopulation der Kopfschmerzpatienten mit einer deutlichen Begleitdepression vielleicht die geeignete Gruppe bei der durch SSRI doch eine Verbesserung der Symptomatik erzielt werden könnte. Hierbei wären aber weitere Plazebo kontrollierten Studien notwendig (ZK).





DMKG