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2. Migräne, Klinik


** Eriksen MK, Thomsen LL, Russell MB. Prognosis of migraine with aura. Cephalalgia 2004;24:18-22

Zusammenfassung: Die dänische Arbeitsgruppe hat den Langzeitverlauf der Migräne mit Aura im Hinblick auf die Attackenhäufigkeit und die Kopfschmerzintensität untersucht und als prognostische Faktoren das Geschlecht, das Alter zum Zeitpunkt der Erstmanifestation der Migräne mit Aura sowie die Anzahl der Aura Symptome erfasst. Die Autoren haben mehr als 2500 Ambulanzakten zweier tertiärer Kopfschmerzzentren aus den Jahren 1977 bis 1984 durchgesehen und 450 Patienten gefunden, bei denen eine Migräne mit Aura angenommen werden konnte. In die Studie eingeschlossen wurden allerdings nur jene Patienten, bei denen eine genaue Beschreinbung der Aura sowie der Kopfschmerzen vorlag und die IHS Kriterien der Migräne mit Aura erfüllt waren. Von 75 Patienten, die dieses Einschlusskriterium erfüllten wurden acht Patienten wegen eines chronischen Spannungskopfschmerzes bzw. wegen übermäßigen Medikamentengebrauchs ausgeschlossen. Vierzehn weitere Patie nten konnten aus diversen Gründen nicht befragt werden. Insgesamt nahmen 53 Patienten (42 Frauen, 11 Männer) an einem Telefoninterview teil, das im Median 16 Jahre nach der Erstbegutachtung erfolgte. Dabei zeigte sich, dass bei 17 Patienten seit mehr als fünf Jahren, bei zwei weiteren seit mehr als 2 Jahren keine Attacke einer Migräne mit Aura aufgetreten ist. Unter den Patienten mit fortbestehenden Attacken war es bei 11 Patie nten (44%) zu einem Rückgang und bei nur 5 (20%) zu einer Zunahme der Häufigkeit gekommen, wobei in die Analyse Patienten mit prophylaktischer Medikation bzw. fehlenden Daten (n=9) nicht inkludiert wurden. Auch die Intensität der Kopfschmerzen zeigte im Langzeitverlauf eine Besserungstendenz, 7 Patienten waren völlig kopfschmerzfrei und beric hteten ausschließlich über Migräneauren ohne Kopfschmerz. Statistisch signifikante prognostische Marker ließen sich nicht nachweisen.

Kommentar: In einer aufwendigen Prozedur wurden Patienten mit Migräne mit Aura ausgewählt und im Mittel 16 Jahre nach der Erstbegutachtung in einem tertiären Kopfschmerzzentrum einem Telefoninterview unterzogen. Die strikten Einschlusskriterien sind einerseits die Stärke dieser Arbeit, andererseits stellt aber der Ausschluss von fast 90 % der Patienten mit einer möglichen Migräne mit Aura einen gravierenden Schwachpunkt dar, der allgemeine Rückschlüsse auf Patienten eines tertiären Kopfschmerzzentrums nicht zulässt. Interessant ist das Ergebnis, dass 7 von 34 Patie nten mit fortbestehender Migräne mit Aura völlig kopfschmerzfrei waren und ausschließlich über isolierte Auren ohne Kopfschmerzen berichteten. Die in dieser Arbeit beschriebene relativ günstige Prognose der Migräne mit Aura bedarf weiterer Bestätigung in prospektiven Studien. Unverständlich ist, dass die Autoren männliches Geschlecht und ausschließlich visuelle Aurasymptome als prognostisch günstige Faktoren werten, obwohl die entsprechenden p-Werte 0,17 bzw. 0,36 betragen und somit fern jeglicher „statistischer Signifikanz“ liegen (CW).





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