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Kopfschmerz-News

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4. Migräne, Akuttherapie

*** Bigal ME, Bordini CA, Tepper SJ, Speciali JG. Intravenous

dipyrone in the acute treatment of migraine without aura and migraine

with aura: a randomized, double-blind, placebo-controlled

study. Headache 2002;42:862-871

Zusammenfassung:

1922 wurde Metamizol als

Schmerzmittel eingeführt. Es ist

ein sehr nützliches und gut

wirksames Analgetikum, vor

allem in der Schmerztherapie

bei Tumorpatienten und bei

abdominellen Schmerzen, da es

neben der analgetischen Potenz

auch spasmolytische Eigenschaften

hat. Die brasilianischen

Autoren führten eine randomisierte,

plazebo-kontrollierte,

doppelblinde Studie durch, bei

der sie die intravenöse Gabe von

1 g Metamizol (Dipyrone) oder

0,9%ige Kochsalzlösung einsetzten.

Neben der Schmerzintensität

wurden auch die Begleitsymptome

der Migräne

evaluiert. 74 Patienten mit einer

Migräne ohne Aura nahmen an

der Studie teil. 44 Patienten

erhielten Metamizol und 30

Plazebo. 60 Patienten mit einer

Migräne mit Aura wurden in die

Studie aufgenommen und je 30

mit Verum vs. Plazebo behandelt.

Gemessen wurde die

Besserung der Kopfschmerzen

nach 30 und 60 Minuten. Bezogen

auf eine Besserung der

Kopfschmerzen von schwer

oder mittelschwer auf leicht

oder keine Kopfschmerzen

erreichten diesen Endpunkt

nach 60 Minuten 16,7% der

Patienten mit einer Migräne

ohne Aura mit Plazebo und

65,9% mit Metamizol. Bei den

Patienten, die unter einer Migräne

mit Aura litten, waren die

entsprechenden Zahlen 13,3%

und 63,3%. Die Unterschiede

waren jeweils statistisch signifikant.

Schmerzfrei nach 1 Stunde

waren bei den Patienten mit

einer Migräne ohne Aura 10%

mit Plazebo und 43,2% mit

Metamizol. Die entsprechenden

Zahlen für die Patienten mit

Migräne mit Aura betrugen

6,7% und 50%. Die Autoren

berechneten numbers needed to

treat. Diese betrugen für Migräne

ohne Aura 2,04 mit Metami-

zol und 13,5 mit Plazebo und

für Migräne mit Aura 2,0 für

Metamizol und 10 für Plazebo.

Es ergaben sich bzgl. der Nebenwirkungen

keine Unterschiede

zwischen Verum und

Plazebo. Metamizol besserte

auch signifikant die vegetativen

Begleiterscheinungen der Migräne.

Kommentar:

Es ist erstaunlich, daß 80 Jahre

nach Einführung von Metamizol

vergehen mußten, bis die erste

randomisierte, plazebokontrollierte

Studie mit dieser

Substanz bei der Migräne

durchgeführt wurde. Es macht

durchaus Sinn, wie im vorliegenden

Fall, das Medikament

intravenös zu geben, da die

orale Resorption und Absorption

während der Migräneattacke

gestört sein kann. Leider haben

die Autoren keine andere Substanz

zur Kontrolle mitgeführt,

wie beispielsweise intravenöse

Acetylsalicylsäure oder subkutanes

Sumatriptan, so daß eine

Einordnung der Studienergebnisse

etwas schwierig ist. Zweifelsfrei

sind die Ergebnisse

eindrucksvoll und im Unterschied

zu Plazebo statistisch

signifikant. Die Autoren haben

allerdings nicht darauf hingewiesen,

daß Metamizol ganz

langsam injiziert werden muß,

da es bei rascher Injektion zu

einem plötzlichen Blutdruckabfall

und zu einer Schocksymptomatik

kommen kann. Mit der

vorliegenden Studie wurde aber

erstmals wissenschaftlich belegt,

daß eine Therapie, die in

Deutschland geläufig und gängig

ist, tatsächlich wirksam ist.

(HCD)

**** Sandrini G, Färkkilä M, Burgess G, Forster E, Haughie S, for

the Eletriptan Steering Committee. Eletriptan vs sumatriptan. A

double-blind, placebo-controlled, multiple migraine attack study.

Neurology 2002;59:1210-1217

Zusammenfassung:

Eletriptan ist eins der neueren

Triptane mit einer gegenüber

Sumatriptan verbesserten oralen

Bioverfügbarkeit. Im vorliegenden

Fall handelt es sich um eine

multizentrische, doppel-blinde,

plazebo-kontrollierte Parallel-

gruppenstudie, die an 64 Zentren

in Europa, Kanada und

Südafrika durchgeführt wurde.

Die Migränepatienten konnten

innerhalb von 12 Wochen drei

konsekutive Migräneattacken

mit Studienmedikation behandeln.

Verglichen wurden hier 40

mg und 80 mg Eletriptan sowie

50 und 100 mg Sumatriptan und

Plazebo. Zur Verblindung

wurde Sumatriptan verkapselt

appliziert. Insgesamt 774 Migränepatienten

behandelten ihre

Attacken. Daten über die Besserung

der Kopfschmerzen nach 2

Std. lagen für die einzelnen

Behandlungsgruppen für die

folgenden Patientenzahlen vor.

Plazebo: N = 80, Eletriptan 40

mg: N = 169, Eletriptan 80 mg:

N = 160, Sumatriptan 50 mg: N

= 175, Sumatriptan 100 mg: N =

160. Das mittlere Alter der

Patienten lag zwischen 38 und

40 Jahren und 87-90% der

Betroffenen waren Frauen. Über

eine Besserung der Kopfschmerzen

nach 2 Std. berichteten

31% der Patienten in der

Plazebogruppe, 50% nach 50

mg Sumatriptan, 53% nach 100

mg Sumatriptan, 64% nach 40

mg Eletriptan und 67% nach 80

mg Eletriptan. Die entsprechenden

Zahlen für schmerzfrei nach

2 Std. betrugen 4%, 19%, 18%,

31% und 37%. Die beiden

Dosierungen von Eletriptan

waren signifikant wirksamer als

die beiden Dosierungen von

Sumatriptan und alle Triptane

waren signifikant wirksamer als

Plazebo. Anhaltend schmerzfrei,

d.h. schmerzfrei nach 2 Std.

ohne wiederkehrende Kopfschmerzen

und ohne Rettungsmedikation

(„sustained pain

free“), waren 4% der Patienten

mit Plazebo, 11% mit 50 mg,

14% mit 100 mg Sumatriptan,

24% mit 40 mg Eletriptan und

29% mit 80 mg Eletriptan. Die

Konsistenz der Wirkung über

drei Attacken wurde angegeben

als eine Wirkung bei 3 von 3

Attacken. Dies war erfüllt bei

49% der Patienten mit 80 mg

Eletriptan, bei 22% mit 50 mg

Sumatriptan und 24% mit 100

mg Sumatriptan sowie 9% mit

Plazebo. Die Zahl für 40 mg

Eletriptan betrug 37%. Im

Bereich der Nebenwirkungen

unterschieden sich Sumatriptan

50 und 100 mg und Eletriptan

40 mg nicht. Eletriptan 80 mg

hatte etwas mehr Nebenwirkungen

vor allem Schwäche, Übelkeit,

unsystematischen Schwindel

und Benommenheit.

Kommentar:

Die hier publizierte große

Studie zeigt, daß sowohl 40 wie

80 mg Eletriptan wirksamer sind

als 50 und 100 mg Sumatriptan

und daß beide Triptane signifikant

besser wirksam sind als

Plazebo. Interessant ist die

Beobachtung, daß zwischen 50

und 100 mg Sumatriptan kein

Unterschied in der Wirksamkeit

besteht, während 80 mg Eletriptan

besser wirksam sind als 40

mg Eletriptan. Es ist häufig

kritisiert worden, daß in der

vorliegenden Studie Sumatriptan

verkapselt wurde. Die in der

Publikation angegebenen pharmakokinetischen

Daten für

verkapseltes und nichtverkapseltes

Sumatriptan zeigen aber

identische Werte. Allerdings

wurden diese Messungen nicht

während Migräneattacken

durchgeführt. Die bessere

Wirksamkeit der höheren Dosis

von Eletriptan, die auch zu einer

niedrigen Rate an wiederkehrenden

Kopfschmerzen führt,

wird allerdings erkauft durch

die etwas höhere Nebenwirkungsrate,

insbesondere im

Bereich kognitiver Störungen.

Dies beeinflußt allerdings die

Wahl der Patienten nicht, die

die höchste Zufriedenheit mit

der Therapie mit der 80 mg

Dosis von Eletriptan angab. In

Deutschland ist im Moment nur

die 40 mg Dosis von Eletriptan

für die initiale Behandlung einer

Migräneattacke zugelassen.

Dies gilt auch für die Vereinigten

Staaten. In der Schweiz ist

auch die 80 mg Dosis verfügbar.

(HCD)

**** Dowson AJ, Massiou H, Lainez JM, Cabarrocas X. Almotriptan

is an effective and well-tolerated treatment for migraine pain:

results of a randomized, double-blind, placebo-controlled clinical

trial. Cephalalgia 2002;22:453-461

Zusammenfassung:

Almotriptan ist eins der neuen

Triptane, das hier in einer

randomisierten, doppelblinden,

plazebo-kontrollierten Studie in

einer Dosis von 12,5 und 25 mg

verglichen wurde mit 100 mg

Sumatriptan und Plazebo.

Aufgenommen in die Studie

wurden 668 Patienten, die eine

Migräneattacke mit mittelschwerer

oder hoher Schmerzin-

tensität behandelten. Das primäre

Zielkriterium der Studie war

eine Besserung der Kopfschmerzen

von schwer oder

mittelschwer auf leicht oder

keinen Kopfschmerz 2 Std. nach

Behandlung. Das Erfolgskriterium

erreichten nach 2 Std. 56,8%

der Patienten für 12,5 mg Almotriptan,

56,5% für 25 mg

Almotriptan, 63,7% für 100 mg

Sumatriptan und 42,4% für

Plazebo. Schmerzfrei nach 2

Std. waren nach Berechnungen

des Referenten 25% der Patienten

mit 12,5 mg Almotriptan,

34% mit 25 mg Almotriptan,

33% mit 100 mg Sumatriptan

und 6,6% mit Plazebo. Die

Nebenwirkungen waren unter

Almotriptan geringer als bei

Sumatriptan und unterschieden

sich nicht von denen von Plazebo.

Kommentar:

Die hier vorliegende Studie ist

ausreichend groß, um die Frage

zu beantworten, ob es einen

Unterschied zwischen Almotriptan

und Sumatriptan im Verhältnis

zu Plazebo gibt. Sehr

auffällig ist, daß hier nicht eine

der üblichen statistischen Verfahren

verwendet wurde, sondern

90% Konfidenzintervalle

benutzt wurden, um mögliche

Unterschiede zu berechnen.

Wird dieses Maß benutzt, ergibt

sich tatsächlich kein Unterschied

zwischen Almotriptan

und Sumatriptan. Der Referent

hat aber eine Standardstatistik

verwendet und hier eine signifikante

Überlegenheit von Sumatriptan

gegenüber Almotriptan

berechnet. Der numerische

Unterschied ist allerdings nicht

sehr groß. Zusammengefaßt

zeigt die Studie, dass Almotriptan

bei der Behandlung der

Migräne wirksam ist, dass seine

Wirksamkeit nur minimal

geringer ist als die von 100 mg

Sumatriptan und dass es deutlich

weniger Nebenwirkungen

hat als Sumatriptan. (HCD)


DMKG