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Migräne, Prophylaxe

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07. Migräne, Prophylaxe

** Sherman RA, Acosta NM, Robson L. Treatment of migraine with pulsing electromagnetic fields: a double-blind, placebo-controlled study. Headache 1999;39:567-575.

Zusammenfassung: Die Autoren untersuchen mit einem plazebo-kontrollierten, doppelblinden Versuchsplan die Auswirkung gepulster elektromagnetischer Felder (emF) auf die Migräneparameter “Migränehäufigkeit”, “Kopfschmerzdauer” und “Schmerzintensität” und den Medikamentenkonsum. Die emF wurden innerhalb von 14 Tagen fünfmal pro Woche für jeweils eine Stunde an den Innenseiten der Schenkel appliziert. Aus den Migräneparametern, dem Medikamentenkonsum und vegetativen Begleiterscheinungen wurde auf einem niedrigeren Skalenniveau ein Gesamt-Erfolgsmaß bestimmt. Nach dieser Phase fanden sich 73% “Responder” (mindestens 20% Verbesserung in mindestens zwei Parameter) in der Verumgruppe und 35% “Responder” in der Plazebogruppe. 10 der 22 Teilnehmer in der Verumgruppe erhielt erneut eine gleichartige Verumbehandlung. Dabei ergaben sich dann 88% Responder.

Kommentar: Hintergrund der vorliegenden Arbeit ist eine Studie von Erdman (1960), der eine kurzfristige Zunahme der peripheren Durchblutung nach emF-Exposition nachweisen konnte. Die Autoren verbinden diesen Befund mit Ergebnissen aus der Biofeedbackforschung, wonach ein willentlich herbeigeführter Anstieg der peripheren Durchblutung durch Temperatur-Biofeedback zu einer Besserung der Kopfschmerzen führt (hier wird die zentrale und sehr schöne Übersichtsarbeit von Friedman 1991 zitiert). Sherman folgert daraus, daß dieser Wirkmechanismus der peripheren Steigerung der Durchblutung auch ohne Biofeedback allein durch die Anwendung von emF-Exposition herbeigeführt werden könnte. Um der Plazebo-Falle zu entrinnen, haben sich die Autoren im Methodikteil ausführlich Gedanken um unspezifische Effekte gemacht und die Plazeboapplikation methodisch und technisch sehr sorgfältig geplant. Der Leser stolpert jedoch über die Beschreibung der Stichprobe: Die mittlere Anfallshäufigkeit wird mit 2,3 Attacken (SD: 1,7) pro Woche beschrieben, was ungewöhnlich hoch ist und bei manchen Patienten einen Analgetika-induzierten Kopfschmerz vermuten läßt. Leider wird der Leser über die Veränderung des Medikamentenkonsums nicht informiert. Lediglich in der Diskussion wird als ein möglicher Faktor der Migränebesserung die Abnahme des Medikamentenkonsums in der Behandlungsphase erwähnt. Hier fehlt jedoch eine beschreibende Tabelle zum Medikamentenverhalten, um Klarheit zu schaffen. Die Stichprobe ist zudem sehr heterogen, die Patienten leiden teilweise auch unter Kopfschmerz vom Spannungstyp. Insgesamt ist der theoretische Hintergrund der Arbeit zwar wohl überlegt und nachvollziehbar abgeleitet, die Patientengruppe ist jedoch sehr heterogen. Wegen der fehlenden Darstellung des Medikamentenverhaltens während der Behandlung und danach kann keine Aussage über den tatsächlichen Wirkmechanismus bei den Respondern getroffen werden. Hier gehen die Autoren mit einer angenommenen Kausalwirkung gepulster elektromagnetischer Felder auf den Migräneverlauf zu weit. Damit ist die Studie nur von geringer Aussagekraft. (PK)


DMKG