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Kopfschmerz-News 7/1999 Migräne, Klinik – DMKG

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06. Migräne, Prophylaxe

*** Lucetti C, Nuti A, Pavese N, Gambaccini G, Rossi G, Bonccelli U (1998). Flunarizine in migraine prophylaxis: predictive factors for a positive response. Cephalalgia 18: 349-352.

Flunarizin ist eine gängige Substanz zur Migräneprophylaxe. Wie bei vielen anderen Migräneprophylaktika wäre es wünschenswert, voraussagen zu können, ob ein bestimmter Migränepatient auf die Prophylaxe ansprechen wird oder nicht. Die italienischen Autoren führten daher eine Studie zur Migräneprophylaxe mit Flunarizin durch und versuchten, Prädiktoren für einen positiven oder negativen Therapieerfolg herauszufinden. Sie nahmen zunächst 108 konsekutive Patienten in die Studie auf. Patienten mit weniger als vier Attacken pro Monat, Kontraindikationen für Flunarizin, Patienten mit Kombinationskopfschmerzen, posttraumatischen Kopfschmerzen, Analgetika-Mißbrauch oder pathologischem neurologischen Befund wurden ausgeschlossen. Die Patienten wurden nach einer vierwöchigen baseline-Phase über 3 Monate mit 10 mg Flunarizin zur Nacht behandelt. Sie wurden gebeten, ein Kopfschmerz-Tagebuch zu führen. Als Responder wurden Patienten angesehen, bei denen es zu einer Reduktion der Migränehäufigkeit von 75% oder mehr kam. 100 Patienten beendeten die Studie. 8 Patienten brachen die Studie ab. Gründe für den Abbruch waren Müdigkeit (3), Gewichtszunahme (2), mangelnde Wirksamkeit (1) und schlechte Compliance (2). Letztendlich waren 61 Patienten Responder und 39 Non-Responder. Positive Prädiktoren für einen Therapieerfolg war eine positive Familienanamnese bezüglich Migräne und Migräneattacken mit hoher Schmerzintensität. Negative Prädiktoren waren eine Attackenfrequenz von mehr als 8 Attacken pro Monat und ein während der Behandlung entwickelter Mißbrauch von Analgetika oder Migränemitteln. Ohne Einfluß waren der Typ der Migräne (mit oder ohne Aura), das Geschlecht, die Dauer der Migräneattacken und das Ausmaß von Begleitsymptomen. Mit Hilfe von Studien wie hier vorgestellt ist es möglich, Patienten zu identifizieren, die wahrscheinlich von einer bestimmten Substanz zur Migräneprophylaxe profitieren. Interessant ist, daß die hier vorliegende Studie wie andere belegt, daß ein Analgetikamißbrauch die prophylaktische Wirkung von Flunarizin aufhebt. (HCD)

*** de Bock GH, Eelhart J, van Marwijk HWJ, Tromp TP, Springer MP (1997). A postmarketing study of flunarizine in migraine and vertigo. Pharm World Sci 19: 269-274.

Studien zur Migräneprophylaxe werden häufig an hochselektionierten Populationen vorgenommen, bei denen beispielsweise Begleiterkrankungen wie Depressionen ausgeschlossen sind. Aus klinischen Studien allein ist nur sehr schwer zu ermessen, wie gut eine Substanz im Alltag wirkt, wie das Verhältnis zwischen Wirkung und Nebenwirkung ist und wie häufig seltene Nebenwirkungen auftreten. Dies liegt auch daran, daß die meisten Studien zur Migräneprophylaxe nur drei Monate dauern. Auf Initiative des CPMP hat die Fa. Janssen daher eine große randomisierte Studie in der Praxis niedergelassener Ärzte zum Einsatz von Flunarizin und Propranolol bei der Behandlung der Migräne durchgeführt. Im Rahmen dieser offenen multizentrischen Studie konnten 135 praktische Ärzte gewonnen werden. Die Patienten wurden entweder mit 10 mg Flunarizin oder 160 mg Propranolol behandelt. In der Flunarizin-Gruppe wurden 319 Patienten, in der Propranolol-Gruppe 362 Patienten behandelt. Nachuntersuchungen erfolgten nach 1, 4 und 8 Monaten. Bei der Nachuntersuchung wurde insbesondere die Wirksamkeit bezüglich Migräne erfragt und nach dem Auftreten einer Depression oder extrapyramidalmotorischer Symptome geforscht. Die mittlere Beobachtungszeit betrug für beide Substanzen 8,9 Monate. Insgesamt kam es während des Beobachtungszeitraumes bei 13 Patienten unter Flunarizin und bei 9 Patienten unter Propranolol zu einer Depression. Dieser Unterschied war zuungunsten von Flunarizin signifikant. Bei keinem der behandelten Patienten traten extrapyramidalmotorische Störungen auf. Bezüglich der Wirksamkeit war Flunarizin wirksamer als Propranolol. Dies betrag überwiegend die Attackenfrequenz. Diese große Studie zeigt, daß im klinischen Alltag tatsächlich unter Flunarizin etwas häufiger Depressionen auftreten als unter Propranolol. Dies paßt aber auch zu der Beobachtung, daß Depressionen häufiger bei Patienten mit Migräne auftreten als in Kontrollpopulationen. Überraschend ist allerdings die Beobachtung, daß Flunarizin etwas wirksamer war als Propranolol. (HCD)


DMKG